Ein Montag wie kein anderer

Montagmorgen, 6:30 Uhr

Keine Lust. Der Wecker klingelt zum zweiten Mal und ich überlege ob ich es mir erlauben kann den Snooze Button nochmal zu drücken oder ob ich jetzt tatsächlich das gemütliche Bett  gegen schwerfälliges Aufstehen tausche und Richtung Kaffeemaschine schlurfe. Widerwillig entscheide ich mich für letzteres und greife mit fast noch geschlossenen Augen nach der silbernen Kapsel, lege sie wie automatisiert ein und drücke auf den leuchtenden Knopf mit der großen Tasse drauf, denn die brauch ich jetzt wirklich.
Das Wochenende war mal wieder viel zu kurz und ich weiß, was diese Woche schon wieder alles ansteht. Und garantiert kommt mein Chef wieder mit dreiundfünfzig neuen Ideen und Aufgaben auf mich zu; Adieu Freizeit, hallo Realität.

Beim Bäcker hol ich mir noch schnell was für auf die Hand und dann geht’s mit all den andern stillschweigenden Pendlern im Zug und Bus Richtung Arbeit.

Im Büro angekommen ist die Stimmung mittelmäßig. Die erste Mail vom Chef mit Wichtigkeit hoch kam schon in unsere Postfächer geflattert. Team-Meeting, 10:00 Uhr, Anwesenheitspflicht für alle.

Missmutig machen wir uns um 10 vor 10 auf den Weg zum Meeting-Raum und fragen uns, was das wohl gleich wird.

Aber irgendwas ist heute anders. Der Meeting-Raum ist heute, im Gegensatz zu den letzten Wochen, sonnendurchflutet und irgendwie liegt etwas Freundliches in der Luft. Unser Chef steht schon vorne und kramt noch in einigen, großen Kartons herum. „Alle da?“ fragt er mit einem Blick in die Runde. Keine Antwort, nur gegenseitige Blicke, getreu dem Motto „Wenn mein Sitznachbar da ist, fehlt keiner“.

Montagmorgen, 10:00 Uhr

„Na wunderbar, dann starten wir!“ – hier und da sehe ich ein Augenrollen und nehme den ein oder anderen leichten Seufzer wahr. Und ich glaube, mit dem was folgt, hat wirklich niemand gerechnet.

„Erst einmal einen guten Morgen an alle, schön, dass ihr es alle geschafft habt. Ich weiß, die letzten Wochen, sogar Monate waren für alle eine enorme Herausforderung. Umso mehr möchte ich mich heute bei jedem einzelnen von euch bedanken. Danke an unsere Sales-Abteilung, die um jeden Kunden und Auftrag gekämpft hat, Danke an unsere Lageristen, die wieder ohne Unfälle alle Aufträge kommissionieren und fristgerecht versenden konnten, Danke an unsere After-Sales-Abteilung, für den unermüdlichen Einsatz an der Support-Hotline, Danke an unsere HR-Abteilung,…“

Jede einzelne Abteilung wurde erwähnt. Ehrlich gesagt war mir in letzter Zeit gar nicht mehr bewusst, wie viele Abteilungen es bei uns gibt. Plötzlich fühle ich mich, als wären wir ein kleines Dorf, in dem jeder seinen Beruf hat und wir nur gemeinsam zum großen Ziel kommen: Das Dorf vergrößern und mit Leben füllen.

„Im Großen und Ganzen möchte ich DANKE sagen. Jedem einzelnen. Denn hätte nur ein Glied in der Kette gefehlt, wäre unsere Firma nicht da, wo sie heute steht. Als Zeichen meiner Wertschätzung habe ich für jeden von Euch ein kleines Geschenk dabei, dass ihr Euch gleich hier vorne abholen könnt. Ich hoffe, dass ich Euch so etwas zurückgeben kann. Ich bin stolz auf euch, auf uns. Lasst uns auch die nächsten Monate so weiter machen und jede Hürde meistern. Danke!“

 Der Missmut die noch vor dem Meeting herrschte und die Stille während der ersten Sätze wurde gegen Klatschen und leuchtende Augen eingetauscht. Die Worte waren wie ein zärtliches Streicheln auf der Seele, ein Schulterklopfen, ein „Das hast du gut gemacht“. Ohne zu ahnen, dass mir genau das gefehlt hat, freue ich mich nun umso mehr, dass ich es bekommen hab.

Auf dem Weg nach vorne zu den geheimnisvollen Kartons, vermischen sich die unterschiedlichen Abteilungs-Grüppchen. Aber eins haben wir alle gemeinsam: Das Grinsen im Gesicht und das Gefühl, dass wir zusammen etwas bewirken.

Zurück an meinem Arbeitsplatz freue ich mich darauf, die eingegangenen Mails zu bearbeiten. Mir schießen Gedanken durch den Kopf, wie wir in Zukunft noch besser mit den benachbarten Abteilungen zusammenarbeiten können. Irgendwie kommt mir gerade alles etwas leichter vor.

Montagmorgen, 11:00 Uhr

Let’s fetz!

Na? Was denkst Du? 
Hast Du Dich in unserer kleinen Geschichte wiedergefunden? Hast Du währenddessen eine Veränderung gespürt?

Ich verrate dir etwas: Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und ist mir so vor einigen Jahren bei meinem vorherigen Arbeitgeber passiert! Man sollte die Wirkung einer ehrlich gemeinten Wertschätzung niemals unterschätzen!  

Was denkst DU? Ich bin gespannt auf Deine Erfahrung!